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Wasalauf in Schweden

AM START MIT
15'000 LÄUFERN

Der Wasalauf

  • In der Wasalauf-Winterwoche finden 8 verschiedene Rennen mit diversen Kategorien statt. Der Hauptlauf über 90 km findet immer am ersten Sonntag im März statt.
     
  • Bisherige Rekordzeit über die 90 km: Jörgen Brink (Schweden) mit 3:38,41 Stunden, gelaufen im Jahr 2012.
     
  • Rekordsieger Nils Karlsson (Schweden) gewann den Wasalauf 9 Mal)
     
  • Für die über 15 000 Läufer im Hauptfeld über 90 km gibt es 7 Verpflegungsstationen, 3000 Helfer stehen im Einsatz.
     
  • Erst seit 1981 sind auch Frauen am Wasalauf zugelassen.
Karte Wasalauf
Wasalauf-Strecke

 

Gustav Wasa

Der erste Wasalauf (Vasaloppet) fand am 19. März 1922 mit 119 Teilnehmern statt. Die Idee dazu hatte der schwedische Politiker und Publizist Anders Pers. Das Rennen sollte an die historische Flucht des schwedischen Widerstandskämpfers Gustav I. Wasa auf Langlaufski vor den Soldaten des herrschenden dänischen Königs Christian II. im Jahr 1521 erinnern. Nach Wasas Rückkehr und einem zweijährigen Krieg machte sich Schweden von Dänemark unabhängig.

Gustav Wasa
Gustav Wasa

Darco Cazin wagt den Wasalauf

Er zieht Spitzen- und Breitensportler an, ist legendär und faszinierend. Der Wasalauf in Schweden gilt als die Krönung eines jeden Langläuferlebens. Für einen Bündner kommt sie unverhofft früh.

 

Darco Cazin

Der 37-jährige Pontresiner empfindet den Langlauf in seiner Heimat als eine Art soziales Integrationsprogramm. «Hier oben trifft man sich auf der Loipe und bespricht auch Alltagsthemen.» Dabei gehe es nicht um den Wettkampf, sondern um ein Stück regionale Kultur.

Darco Cazin
Darco Cazin aus Pontresina

Erlebnisbericht Wasalauf 2015 –
von der Vorbereitung bis zum Lauf selbst.

Beim Wasalauf wird klassisch gelaufen – im Gegensatz zum Engadiner, wo Hauptsächlich die Skating-Technik angewandt wird. Darco Cazin hat deshalb bei Fähndrich-Sport den Kurs zum Erlernen der klassischen Langlauftechnik besucht und war für den 90 Kilometer langen Parcours im hohen Norden bestens gewappnet.

 

Langlauf ist Tischgespräch bei der Familie Cazin in Pontresina. Seit Darco Cazin im letzten Jahr mit seiner Frau und den beiden Töchtern ins Engadin zurückgezogen ist, dreht sich vieles um die dünnen Latten. «Ich war als Kind ein paar Mal auf der Loipe, dann über 20 Jahre lang nicht mehr. Für mich war klar: Sollten wir einmal nach Pontresina ziehen, möchte ich unbedingt langlaufen.»

Gesagt, getan. Im November 2013 hat sich Cazin beim lokalen Spezialisten Fähndrich Sport seine erste Langlaufausrüstung gekauft. Nach einem Skating-Grundkurs in der betriebseigenen Langlaufschule des Fachhändlers spulte er Kilometer um Kilometer ab und absolvierte im Frühjahr 2014 bereits den Engadin Skimarathon. Spass macht Cazin auch das soziale Element auf der Loipe. Von erfahrenen Langlaufkollegen hat er unter anderem erfahren, dass der Wasalauf in Schweden für die Szene das Mass der Dinge sei. Einmal müsse auch er dort teilnehmen.

Und prompt: Im März 2015, nur rund anderthalb Jahre nach seinem Start auf Langlaufski, wollte Darco Cazin den Wasalauf über 90 Kilometer in Angriff nehmen. Ein horrendes Tempo des Bündners, der noch bis vor kurzem nur im Sommer Ausdauersport betrieb. Als Inhaber der Firma Allegra Tourismus entwickelt er Mountainbike-Destinationen. «Der Langlauf hat mir total den Ärmel reingezogen», räumt er ein. Dass es mit dem Wasalauf gleich so schnell ging, ist allerdings eher Zufall als geplant. Darco Cazin hatte im 2014 bei einem Wettbewerb den ersten Preis gewonnen – eine Reise zum Wasalauf inklusive Startplatz, offeriert vom Skandinavien-Reiseveranstalter Kontiki Reisen. «Einfach nur toll, diese Chance lasse ich mir bestimmt nicht entgehen.»

Zur Vorbereitung bestritt Cazin im Sommer 2014 das Swiss Epic, ein sechstägiges Mountainbike-Rennen im Wallis. Dann ging es mit Stöcken und Laufschuhen weiter und ab November/Dezember 2014 auf den Schnee. Ein Langlaufkurs in der klassischen Disziplin war angesagt, den Cazin erneut bei Fähndrich Sport absolvierte. «Dort hatte ich innert kurzer Zeit sehr viel gelernt.»

Im März 2015 ging es dann los zum Abenteuer in den hohen Norden. Man stelle sich ein prall gefülltes Fussballstadion nur mit Langläufern vor. Das Bild gibt in etwa die Dimensionen des Wasalaufs wieder. Am Vasaloppet 2014, wie er auf Schwedisch heisst, haben nicht weniger als 33'800 Langläufer aus aller Welt teilgenommen. Deren 15'000 absolvierten das Hauptrennen über 90 Kilometer. Auch für 2015 wurde ein Langlauf-Volksfest der Superlative erwartet. Mittendrin Darco Cazin. Schon im Vorfeld fieberte er darauf hin, und mit ihm die ganze Familie. Für das dreijährige Töchterchen Elisa ist auf jeden Fall jetzt schon klar, dass auch sie mal langlaufen wird.

Riesiger Läufer-Pulk am Start des Wasalaufs
Ein riesiger Läufer-Pulk begibt sich auf die 90 Kilometer lange Strecke durch Kiefernwälder, über sanfte Hügel und zugefrorene Seen. Der Start zum Wasalauf ist ein faszinierendes Spektakel in einem fantastischen Naturambiente.

Geballte Langlaufkompetenz

Der ehemalige Spitzenläufer Markus Fähndrich hatte Darco Cazin beraten. «Darco ist ein Naturtalent», sagte Markus Fähndrich. Der ehemalige Spitzenathlet und seine Frau Karin Fähndrich-Thomas liefen früher beide im Nationalkader und an Grossanlässen um Medaillen. Seit 25 Jahren führen sie ein erfolgreiches Langlauffachgeschäft in Pontresina. Darco Cazin habe die Skating-Technik sehr schnell gelernt. Danach stand er ihm auch bei der Vorbereitung zum Wasalauf beratend zur Seite. Der Kurs zum Erlernen der klassischen Langlauftechnik war zwingend, da die 90 km im hohen Norden in dieser Technik gelaufen werden. Markus Fähndrich war überzeugt: «Mit einer seriösen Vorbereitung würde Darco Cazin das Ziel im schwedischen Mora erreichen und dieses Abenteuer nie vergessen.»

Der ehemalige Spitzenläufer Markus Fähndrich und Darco Cazin.
Geballte Langlaufkompetenz: Der ehemalige Spitzenläufer Markus Fähndrich und Darco Cazin.

 

Nach der intensiven Vorbereitung war es endlich soweit:

Darco Cazin aus Pontresina reiste mit Kontiki Reisen und
INTERSPORT Fähndrich an den Wasalauf 2015.

«Beim Wachsen kann man vieles falsch machen!»

«Gleitwachs, Gleitzone, Haftwachs, Basiswachs, Klister, Verkorken, Mikroschuppen…» das Wachsen wurde zur unterschätzten und zeitraubenden Hürde. Man kann sehr vieles falsch machen. So klebt an einem Dezember-Tag der Schnee unter dem einen Ski, am anderen hatte ich überhaupt keine Haftung. Das war der Tiefpunkt meiner Vorbereitung und ich fing an mein Wasalauf-Projekt zu hinterfragen. Aber in Pontresina ist man als Langläufer nie auf sich allein gestellt. Täglich bekam ich Tipps von Langlaufexperten bis meine Skis perfekt präpariert waren, sodass ich mich voll auf das Erlernen der klassischen Technik konzentrieren konnte.

Die klassische Technik ist nicht zu unterschätzen. Doch bei Pierangela von der Langlaufschule Fähndrich war ich in guten Händen. Ende Januar konnte ich die klassische Technik erstmals so richtig geniessen. Der Reise in den hohen Norden stand also nichts mehr im Wege.

Die Tage vor dem Wasalauf waren wir in Gruppen auf einzelnen Abschnitten der Rennloipe unterwegs. Und schon war es soweit: Skier gewachst, Wecker wurde auf 3 Uhr gestellt, 4 Uhr Fahrt zum Startgelände, das Abenteuer konnte beginnen.

Gruppen auf einzelnen Abschnitten der Rennloipe
Gruppen auf einzelnen Abschnitten der Rennloipe.


90 Kilometer durch Schnee... und auch Wasser

«Durch die Wasserlache musst du laufen!»

Die schlechten Wetteraussichten hatten sich bestätigt. Nein, es war kein Sturm, kein Schneefall oder Eiseskälte, die uns am Start erwarteten – im Gegenteil – viel zu hohe Temperaturen. Der Schnee schmolz bzw. floss dahin. Auf der Loipe bildeten sich Wasserteiche.

Punkt 8 Uhr wurde gestartet. Vor und hinter mir setzten sich 16’000 Langläufer in Bewegung und ich mit ihnen. Nach 200 Metern war dann ich erstmals an der Reihe mit der Durchquerung einer Wasserlache. Das Wasser stand bereits so hoch, dass es über meinen Knöchel ragte und von oben in meine Schuhe lief. Dies sollte sich während den kommenden 8,5 Stunden einige Male wiederholen und machte den Vasaloppet für alle Teilnehmer noch etwas härter.

 

«Stau wie am Gotthard!»

Die erste Stunde des Rennens verbringt man als Volksläufer am Vasaloppet im Stau. Es gilt die Regel: einfach von der Masse treiben lassen. Erst beim höchsten Punkt der Strecke beginnt man mit dem eigentlichen Langlaufen. Eine Spur gab es kaum – zu warm waren die Temperaturen und zu weich der Schnee. Mit den Stöcken brach man regelmässig durch die Schneedecke bis auf den darunter liegenden Boden hindurch. Auf den ersten 20 Kilometern kam ein bissiger Gegenwind hinzu und wo es keine Wasserlachen mehr gab, da kam die Erde unter der Loipe hervor.

Trotz diesen Bedingungen blieb ich innerlich sehr ruhig und begann meinen Wasalauf nach dem Kontrollpunkt Magsbodarna (nach ca. 24 Kilometern) zu geniessen. Ich lief im grossen Pulk über Hochmoore, durch weite Wälder, vorbei an Einöden und kleinen Verpflegungsständen von lokalen Skiclubs. Und irgendwann kam Kilometer 60.

 

«Kontikis Service-Stand ist wie eine Oase in der Wüste!»

Nach zwei Dritteln des Rennens erwartet uns der Servicestand unseres Reiseveranstalters Kontiki. Reiseleiter Gaudenz und Beat hatten uns bereits vorher wunderbar betreut. Ihr kleiner Stand mitten in der Pampa vor dem Kontrollpunkt Oxberg war der absolute Hammer. Nebst Bananen, Schoggi und ein paar grossen Sprüchen, wurden uns sogar die Skier nachgewachst. Meine Skis bekamen eine so gute Haftung, wie ich sie bei diesen warmen Verhältnissen nicht für möglich hielt. Die letzten 30 Kilometer waren deshalb die schönsten meines Wasalaufs.

Kurz vor der Markierung des letzten Kilometers, entdeckte ich zwei Kollegen aus unserer Reisegruppen, die mich anfeuerten. Da blieb mir der Atem weg und ich musste mit meinen Tränen kämpfen. Diesen Kampf verlor ich dann endgültig auf der Zielgeraden.

 

«Rückblick macht stolz!»

Erst in der Retrospektive habe ich verstanden, welchen Stellenwert der Vasaloppet in der Welt der Langläufer hat. Ich werde diesen Lauf nie vergessen. Stolz ist eine Woche nach dem Lauf in mir aufgekommen. Doch am stärksten fühle ich die Dankbarkeit gegenüber den Menschen, die mir dies ermöglicht haben. Meine Frau Nora und meine Töchter haben mich unterstützt und motiviert. Markus und Karin Fähndrich haben mir dieses Abenteuer erst ermöglicht. Dank Pierangela Walpen konnte ich während des ganzen Laufes die Ruhe bewahren. Und durch meinem Freund Steivan habe ich das Wichtigste nie aus den Augen verloren.»

Darco Cazin am Wasalauf 2015.
Darco Cazin am Wasalauf 2015.