«Lauf des Lebens»

Erlebnisbericht von Silvia Nüesch

Unter der Rubrik Erlebnisberichte teilen wir mit dir in regelmässigen Abständen Geschichten aus der INTERSPORT-WELT. Wir lassen unsere Experten, Sportfachhändler und Sportler zu Wort kommen und geben dir so nützliche Tipps für dein nächstes Sport-Ereignis. Viel Spass beim Lesen!

    Silvia über sich

    «Laufen ist für mich das Grösste. Laufschuhe an, raus in die Natur und einfach geniessen. Als begeisterte Marathonläuferin kenne ich sowohl das Gefühl zu fliegen, als auch bleischwer zu sein. Und ich weiss, wie es ist, gegen den inneren Schweinehund zu kämpfen.»
  • Mein Weg
    «Die sportliche Laufbahn begann ich nicht etwa auf der Leichtathletikanlage, sondern im Wasser. Als Schwimmerin sammelte ich während einer ersten Phase Erfahrung als Leistungssportlerin. Im Frühling 2018 habe ich die Ausbildung zur ESA Leiterin Running (swiss athletics) abgeschlossen und gebe seither Laufkurse in Adelboden.»
  • Mein Laufeldorado
    «Die Trails rund um Adelboden sind für Läufer wie gemacht. Ob geradeaus oder kupiert: Hier findet jeder seine Runde, atemberaubende Aussichten inklusive.»

Abstand zum Alltag

Während dem Laufen gewinne ich Abstand zum Alltag und kann im Rhythmus der Schritte in meine Welt eintauchen. Sorgen werden dabei oft federleicht, Ideen purzeln umher und Pläne nehmen Form an. Und nebenbei tue ich etwas Gutes für meinen Körper. Das ist für mich aber nicht der einzige Ansporn. Mich lässt die Sehnsucht nach diesem Rhythmus, der Verbundenheit mit der Natur und dem eigenen Körper und natürlich nach dem Wohlgefühl danach, immer wieder meine Laufschuhe schnüren.

Die ehrlichste Sportart

Das Laufen hat mir über all die Jahre aber auch einige Male den Spiegel vorgehalten. Schummeln geht nicht. Ich kenne keine Sportart, die so grundehrlich ist. Ein starkes Herz-Kreislaufsystem und eine gute Physis allein genügen nicht. Der Kopf und die Psyche laufen mit und ohne eine gewisse mentale Härte geht’s nicht. Fehlt es auf der einen Seite, kann es die andere nicht einfach kompensieren und je länger ein Wettkampf dauert, desto deutlicher werden Defizite. Der Marathon ist ein gutes Beispiel dafür. Einfach Durchrutschen geht hier nicht, Fleiss wird belohnt. Und das ist auch gut so.

Lago Maggiore Marathon

Besonders gefragt waren diese Fähigkeiten erst kürzlich beim Lago Maggiore Marathon, der von Dauerregen und Kälte dominiert war. Dann wird der Weg zum Ziel, die Gegner zu Partnern. Denn man läuft nicht gegen, sondern miteinander. Und bezwingt in erster Linie sich selber. Ein Blick in die leuchtenden Augen der Finisher bestätigte dies. Es geht hier – wie überall im Leben – darum, etwas zu schaffen und über sich selber hinauszuwachsen. Ich bin heute keine Leistungssportlerin mehr. Aber ich liebe das Laufen und das unbeschreibliche Gefühl, wenn mich die Beine federleicht über die Trails tragen. Und manchmal, ja, dann packt es mich wieder und ich ziehe eine Startnummer an. Um mit tausenden anderen, diese grosse Passion zu teilen. Wie eben kürzlich am Lago Maggiore, bei Regen und Kälte.

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