Kleidung imprägnieren: So bleibt deine Regenjacke länger dicht

Kleidung imprägnieren: So bleibt deine Regenjacke länger dicht

Nieselregen am Zürcher Hauptbahnhof, Herbstnebel auf dem Uetliberg, ein plötzlicher Guss im Berner Oberland: Wer draussen unterwegs ist, braucht Kleidung, die mithält. Deine Regenjacke kann das, wenn du sie richtig pflegst. In diesem Artikel erfährst du, warum Imprägnieren so viel ausmacht, wie du den Zustand deiner Bekleidung prüfst und welche Methode für welches Material die richtige ist - Tipps und Trick rund um deine Regenjacke.

[toc]

Warum Imprägnieren für Regenjacke & Outdoor-Kleidung so wichtig ist

Kleidung imprägnieren klingt nach Zauberei, ist aber reine Oberflächenchemie. Viele hochwertige Regenjacken bestehen aus einem Oberstoff, einer wasserdichten Membran oder Beschichtung und einer wasserabweisenden Imprägnierung (DWR) auf der Aussenseite. DWR steht für Durable Water Repellent und ist in fast allen Outdoor-Textilien vorhanden. Diese Schicht lässt Wasser abperlen, statt den Stoff zu durchnässen.

Die DWR-Beschichtung schützt dabei nicht vor eindringendem Wasser; das übernimmt die Membran. Ihre Aufgabe ist eine andere: Sie verhindert, dass der Oberstoff sich mit Wasser vollsaugt. Saugt sich der Oberstoff mit Wasser voll, kann die Atmungsaktivität deutlich nachlassen. Feuchtigkeit wird schlechter nach aussen transportiert, wodurch sich die Jacke innen klamm anfühlen kann. Das Ergebnis: Du schwitzt unter der Jacke, obwohl die Membran noch dicht ist. Eine mangelhafte Imprägnierung blockiert also die Funktion der Membran, ohne dass ein Loch oder Riss vorliegen muss.

Richtig imprägnierte Funktionskleidung hält dich trockener, leichter und wärmer. Nasser Stoff leitet Körperwärme ab und macht jede Tour unangenehm. Imprägnieren kann vor Wasser und Schmutz schützen und gleichzeitig die atembaren Eigenschaften erhalten. Bei INTERSPORT Schweiz findest du passende Imprägniermittel und Regenjacken von Top-Marken im Onlineshop und in den Filialen.

Woran du erkennst, dass du deine Kleidung neu imprägnieren solltest

Bevor du Produkte kaufst und loslegst, prüfe den aktuellen Zustand. Das spart Geld, Ressourcen und schont die Umwelt.

Der Wassertropfen-Test: Halte deine Jacke über das Lavabo oder auf den Balkon und beträufle die Aussenseite mit einer Trinkflasche oder der Brause. Wassertropfen sollten bei funktionierender Imprägnierung kugelig abperlen und abrinnen. Wenn sich das Wasser stattdessen flächig verteilt und eine Vielzahl dunkle, gesättigte Stellen entstehen, ist die DWR-Beschichtung geschwächt. DWR-Beschichtungen verlieren ihre Wirkung durch Schmutz und Waschen. Auch UV-Licht, Sonnencreme und die Reibung von Rucksackträgern tragen dazu bei, dass die Imprägnierung nachlässt.

Typische Anzeichen im Alltag:

  • Dunkle, nasse Flecken an Schultern, Rücken und Ärmeln nach kurzem Regen
  • Die Jacke wird spürbar schwerer
  • Innenfeuchte steigt beim Sport, obwohl kein Wasser durchdringt
  • Kleidung trocknet langsamer als gewohnt

Gore Tex und ähnliche Membranen bleiben oft noch dicht, selbst wenn die Oberfläche nass aussieht. Der Komfort leidet aber massiv. Bei Vielnutzerinnen und Vielnutzern (wöchentliche Wanderungen, Trailrunning) lohnt sich eine Kontrolle ein- bis zweimal pro Saison.

Kleidung vor dem Imprägnieren richtig waschen

Die Reinigung der Kleidung ist vor dem Imprägnieren zwingend notwendig. Schweiss, Hautfette, Deo-Rückstände und Schmutz legen sich auf den Stoff und verhindern, dass das Imprägniermittel am Gewebe haftet. Eine Imprägnierung auf dreckigem Material bringt kein brauchbares Ergebnis.

Vorbereitung:

  • Alle Reissverschlüsse schliessen, Klettverschlüsse fixieren, Kordeln zusammenbinden.
  • Pflegeetikett lesen: Achte auf das Pflegeetikett der Kleidung vor dem Imprägnieren. Dort stehen Temperatur und Programm.
  • Jacke in die Waschmaschine geben; Schonprogramm, 30 °C oder 40 °C je nach Etikett, niedrige Schleuderdrehzahl (400–600 U/min).
  • Waschmittel: Verwende ein Funktionswaschmittel. Kein Weichspüler sollte beim Imprägnieren verwendet werden; Weichspüler hinterlässt Rückstände, die Poren verstopfen und die Beschichtung angreifen. Herkömmliches Waschmittel enthält Tenside, die den hydrophoben Film zerstören.

Hinweis: Nicht immer ist eine neue Imprägnierung nötig. Bei geeigneter Funktionskleidung lässt sich die bestehende Imprägnierung nach dem Waschen durch sanfte Wärme im Trockner reaktivieren. Beachte dabei das Pflegeetikett. Perlt das Wasser anschliessend wieder ab, kannst du auf eine erneute Imprägnierung verzichten.

Trocknungszustand vor der Imprägnierung:

Methode Zustand des Stoffs
Spray On Leicht feucht oder vollständig trocken
Wash In Direkt im Waschgang; danach vollständig trocknen

 

Spray-On: Regenjacke und Softshell gezielt imprägnieren

Imprägnierspray ist ideal für gefütterte Jacken und Schuhe, Softshell-Jacken und Regenbekleidung mit Membran. Spray-Imprägnierungen sind für alle Jackenarten geeignet, weil du gezielt die Aussenseite behandelst und das Innenfutter aussparen kannst. So bleiben Atmungsaktivität und Tragekomfort erhalten.

Schritt-für-Schritt-Anleitung:

  1. Im Freien oder bei offenem Fenster arbeiten; Sprühnebel nicht einatmen.
  2. Jacke auf einen Bügel hängen oder flach auf eine saubere Unterlage legen.
  3. Sprühdüse in ca. 20–30 cm Abstand halten, gleichmässig über die Aussenseite sprühen.
  4. Innenfutter bewusst aussparen.
  5. Neuralgische Zonen besonders gründlich behandeln: Schultern (dort reiben Rucksackträger), Kapuze, Ärmel-Aussenseiten, Bereich um den Front-Reissverschluss.
  6. Überschüssiges Produkt mit einem sauberen Tuch abwischen.

Nachbehandlung: Die Textilien müssen nach dem Imprägnieren vollständig trocknen. Je nach Hersteller empfiehlt sich anschliessend sanfte Wärme: 10–20 Minuten im Trockner auf niedriger Temperatur oder vorsichtiges Föhnen auf Distanz. Die korrekte Anwendung von Imprägniermitteln verlängert die Lebensdauer der Textilien um Saisons. Die Wahl der Imprägniermethode hängt vom Kleidungstyp ab; die Anwendung muss je nach Material angepasst werden.

Wash-In Imprägnierung: Wann sich Einwaschen lohnt – und wann nicht

Wash In Imprägnierungen sind bequem: Flüssigkeit in die Waschmaschine geben, Programm starten, fertig. Für bestimmte Kleidung ist das Einwaschen die effizientere Methode. Für andere ist sie kontraproduktiv.

Geeignet für:

  • Ungefütterte Hardshelljacken ohne empfindliches Innenlaminat
  • Softshell-Hosen und Regenhosen aus Synthetik-Mischgewebe
  • Funktionale Alltagskleidung ohne spezielle Membran
  • Handschuhe, Beanies und leichtere Outdoor-Teile

Einwasch-Imprägnierung eignet sich für ungefütterte Regenjacken, bei denen kein empfindliches Futter geschützt werden muss.

Anleitung:

  1. Nur geeignete, frisch gereinigte Kleidungsstücke in die Waschmaschine geben.
  2. Flüssigimprägnierung gemäss Herstellerangaben ins vorgesehene Fach geben. Kein Waschmittel im gleichen Durchgang verwenden.
  3. Schonprogramm bei 30–40 °C wählen, sofern das Pflegeetikett dies erlaubt. Keinen Weichspüler verwenden.
  4. Kleidung nach dem Waschgang vollständig trocknen lassen. Falls vom Hersteller empfohlen, die Imprägnierung durch sanfte Wärme aktivieren.

Gore Tex & andere Membranen: Besonderheiten beim Imprägnieren

Stell dir eine klassische 3-Lagen-Regenjacke für Bergtouren in den Alpen vor: aussen ein abriebfester Oberstoff, in der Mitte eine mikroporöse Membran aus ePTFE (klassisches Gore Tex) oder neuerdings ePE, innen ein fest verbundener Backer. Die Membran sorgt für Wasserdichtigkeit; Jacken mit solcher Konstruktion erreichen Werte von über 28'000 mm Wassersäule. Die Imprägnierung schützt den Oberstoff und erhält die Atmungsaktivität.

Bei Gore Tex empfiehlt sich Spray On, damit ausschliesslich die Aussenseite behandelt wird. Viele moderne Imprägnierungen benötigen Wärme zur Aktivierung der Wirkung. Gore empfiehlt, nach dem Imprägnieren 20 Minuten bei niedriger Temperatur im Trockner zu aktivieren oder vorsichtig mit einem Tuch dazwischen zu bügeln, ohne Dampf. Durch diese Wärme vernetzen sich die hydrophoben Moleküle auf der Oberfläche und der Abperleffekt wird wiederhergestellt.

Was gilt für andere Materialien?

Wachse sind geeignet für robuste Naturmaterialien wie Baumwolle, etwa bei klassischen Outdoor-Jacken im Vaude- oder Fjällräven-Stil. PU-Beschichtungen bei günstigen Regenhosen brauchen Spray On. Wanderschuhe imprägnieren funktioniert mit speziellem Schuhspray oder Wachs; das ist ein eigenes Thema.

Umwelt und Gesundheit

Ein Wort zu Umwelt und Gesundheit: PFAS sind umweltschädliche Chemikalien, die in klassischen Imprägnierungen zum Einsatz kamen. Imprägnierungen mit Fluorverbindungen sind umweltschädlich und bauen sich in Gewässern und Böden kaum ab. Die EU plant Einschränkungen für PFAS-haltige Produkte. Umweltfreundliche Imprägnierungen sind mittlerweile erhältlich und oft PFC-frei. Nikwax bietet PFAS-freie Imprägnierungsprodukte an, die bei Kauf und Anwendung keine Fluorchemie einbringen. Umweltfreundliche Imprägnierungen verlängern die Lebensdauer von Jacken genauso wie konventionelle Produkte. Achte beim Kauf darauf, dass auf der Verpackung "PFC-frei" steht.

Wenn du dir bei der Pflege unsicher bist, frag in einer INTERSPORT-Schweiz-Filiale nach. Die Fachberatung dort kennt die Produkte zur Pflege und Reparatur und hilft dir, die passende Methode für dein Material zu finden. So bleibt deine Regenbekleidung über viele Saisons einsatzbereit; für die nächste Tour bei Wind und Wetter bist du gerüstet.

Zurück zum Blog